Reiche Analphabeten

20 Prozent der 4.-Klässler können nicht lesen. Das ist das Ergebnis der neuesten Lesestudie. Da wächst also eine Generation heran, die wieder einen nennenswerten Anteil Analphabeten haben wird, wenn nicht noch ein Wunder geschieht.

Und das in einem der reichsten Länder der Welt, in Deutschland. Früher, zu Zeiten meiner Großmutter , Jahrgang 1904 ,war es  ebenfalls nicht selten , dass Menschen nicht lesen und schreiben konnten. Damals gab es noch so etwas wie Schulgeld, Bücher für die Schule mussten die Eltern anschaffen und die Kinder von armen Bauern wurden dringend auf dem Hof für die Arbeit gebraucht. Da musste die Schule schon mal hintenan stehen und lesen und schreiben waren für den Broterwerb nicht so wichtig. Tagelöhner und Hilfsarbeiter mussten mit harter Arbeit ihren Lebensunterhalt sichern, mit Arbeiten, die es heute nicht mehr gibt.

Mehr als hundert Jahre später hat jeder in Deutschland kostenlosen Zugang zu Bildung. Schulen kann jedes Kind ohne Beitrag besuchen, auch das aus ärmlichen Verhältnissen.  Bücher stehen in großer Zahl ebenfalls gratis in jeder Bücherei zur Verfügung.

Warum haben wir trotzdem eine wachsende Zahl

Analphabeten in Deutschland?

Laut einer Studie der Universität Hamburg waren  im Jahr  2011  in Deutschland „nur“ etwa 7,5 Millionen Erwachsene (14,5 Prozent) im Alter zwischen 18 und 64 Jahren von funktionalem Analphabetismus betroffen, d. h. sie können nur einzelne Sätze lesen und schreiben, nicht aber zusammenhängende Texte erfassen.

Hier nur ein paar Ursachen für die steigende Zahl:

  • Die Einführung des Smartphones ca. ab 2007 hat zu einem deutlich veränderten Konsumverhalten in der Freizeit geführt. Über Computer, Konsole und Smartphone läuft ein großer Teil der Freizeitgestaltung und Informationsbeschaffung.
  • Eltern und Großeltern, die den Kindern das Lesen näher bringen könnten, haben ebenfalls ihr Medienverhalten angepasst, d.h. weg vom gedruckten Wort hin zu YouTube und Netflix. Das Lesevorbild fehlt. Gutenachtgeschichten kennen immer weniger Kinder .
  • Ein Schulsystem, dessen Niveau in den letzten zwanzig , dreißig Jahren im freien Fall ist ,trägt ebenfalls eine Menge dazu bei. Nur zwei Beispiele : Früher : Für einen Realschulabschluss mussten Schüler im Fach Deutsch eine Textinterpretation oder eine Erörterung schreiben. Grundlage ein komplexer Text. Dauer sechs ! Schulstunden . Heute: Die Deutschabschlussarbeit für den mittleren Bildungsabschluss besteht aus einem Ankreuztest, in dem auch Wissen der 5. Klasse abgefragt wird, der Leseverständnisanteil beschränkt sich auf kleine Textchen. Dauer drei Stunden. Lektüre ( ich meine damit das Lesen ganzer Bücher ) ist weitestgehend abgeschafft. Alles muss spielerisch vermittelt werden, so die Devise und da Integration wichtiger ist als Wissenserwerb, richtet sich die Stoffvermittlung nach dem schwächsten Glied in der Kette.
  • Die Überbetonung der Digitalisierung der Schule trägt nicht zur Lesekompetenz bei.
  • Natürlich wissen Eltern und Lehrer, welche Schüler nicht lesen können. Was tun sie dagegen? Extra – Leseförderung findet in der Schule kaum statt. Es ist ein freiwilliges Zusatzangebot, das mit einer Stunde in der Woche für schwache Leser ohnehin zu wenig ist. Anstatt dessen lese ich immer mal wieder , es mögen sich doch bitte Ehrenamtler finden, die nach Schulschluss mit den Kindern regelmäßig üben. Mit anderen Worten : Für marode Banken oder Pleite – Fluglinien machen die verantwortlichen Politiker über Nacht Millionenbeträge locker. Für Kinder, die in einer Wissensgesellschaft ohne Lesekompetenz nicht wettbewerbsfähig sein werden, ist kein Cent da.
  • Zum wachsenden Anteil der Analphabeten Deutschlands  tragen auch laut offiziellen Studien der Bundesregierung die Zuwanderer aus anderen , bildungsferneren Kulturen bei. Nicht nur, dass sie in ihren Heimatländern keine ausreichende Bildung genossen haben, es fehlt auch zu oft der Bildungswille. Die Deutschkurs-Lehrer an den Volkshochschulen erzählen dazu erschreckende Geschichten.

Diese kleine Liste ist sicher nur ein Anfang. Es bleibt die Frage, was tun ? An Ideen mangelt es sicher nicht. Es mangelt an politischem Willen, dies Problem wirklich ersthaft anzupacken. Wird das aber versäumt, entlassen wir demnächst immer mehr Sozialhilfeempfänger aus unseren Schulen.

Foto: cco. pixabay

 

 

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