Wie geht Politik ohne Parteien ?

Wie geht Licht ohne Petroleumlampe oder Fortbewegung ohne Pferde ? Das sind damals vor der Erfindung der Glühbirne oder der Erfindung des Verbrennungsmotors ebenso Fragen gewesen, die die meisten nicht hätten beantworten können. Es war wohl auch für nur einzelne überhaupt vorstellbar, dass diese Art der Beleuchtung oder der Fortbewegung je verschwinden würde.

Aber immer, wenn ein bestehender Zustand nicht mehr befriedigend ist, findet sich auch jemand oder sogar mehrere, die eine neue zündende Idee haben – müssen.

Im Falle unserer repräsentativen Parteien- Demokratur , erweitert durch den Bürokratiekoloss Brüssel und seine undemokratischen Strukturen wird es nun allzu augenfällig, dass eine neue Idee der Volks-Repräsentanz her muss. In Zahlen:

Im Jahre 2017 hat die „unverdächtige“, weil systemtreue, Bertelsmann-Stiftung die Bürger gefragt, ob sie den regierenden und nicht regierenden Parteien vertrauen . Das Ergebnis : Ganze 10 ! Prozent antworteten mit einem vollen Ja. Die einkommensschwachen Teile der Bevölkerung hatten gar kein Vertrauen.

Genau die werden auch immer als Erklärung herangezogen, wenn es darum geht, warum neue Parteien am linken oder rechten Rand gewählt werden. Bei näherem Hinsehen stimmt die Analyse aber auch nicht. Die AfD zum Beispiel rekrutiert ihre Mitglieder und Wähler zu einem nicht unerheblichen Teil aus den sehr gut gebildeten und ebenso gut verdienenden Schichten. Doch die Begeisterung für die Neuen ist inzwischen auch wieder abgeflaut, nachdem erste Abstimmungsentscheidungen  im Bundestag nachzulesen waren.

Sarah Wagenknecht ( Linke – SED Nachfolger) hat als eine der Ersten die Zeichen der Zeit verstanden und mit der Bewegung „Aufstehen“ eine nicht an die Partei gebundene Initiative gegründet. Ich weiß, es ist noch nicht die Glühbirne , aber es ist schon mal die Idee für eine Art Glühbirne. Spätestens, wenn die Leute nicht mehr zu Wahlen gehen, weil man keine der Parteien wählen will und  guten Gewissens kann, wenn die Leute dafür aber wie in Frankreich , auf die Straße gehen und sich von keiner Partei vereinnahmen lassen wollen, dann werden wir ein neues Modell erfinden müssen.

Genauso wie einst die Könige, Zaren und Kaiser, Päpste und Bischöfe ihre Macht wegen fortgesetzten Missbrauchs verwirkt haben, haben sich nun die Parteien überlebt.

Ich fange schon mal an, über eine neue Glühbirne nachzudenken.

Foto: cco pixabay

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2 Gedanken zu “Wie geht Politik ohne Parteien ?

  1. Können wir uns möglicherweise darauf einigen, dass dreißig Jahre nach der Vereinigung der Zusatz »SED-Nachfolger« weggelassen werden könnte? Wer zur Wende 50 war und damit in einem Alter, dass er die SED stützen/repräsentieren konnte, ist heute 80 und bestimmt nicht mehr in der Partei „Die Linke“ aktiv.

    Wer heute um die 50 ist und in der Partei „Die Linke“ eine Funktion hat war zur Wende 20 Jahre alt – ein Alter, in dem man noch nach einer Identität sucht und bestenfalls *Mitläufer* gewesen sein könnte ….

    Was die Position der Frau Wagenknecht angeht – ich habe ihren all-Sonntäglichen Rundbrief immer aufmerksam gelesen – ist es wohl eher die Erkenntnis, dass zu intelligente Menschen den Mittelmäßigen Angst einflößen. Die, vermeintlich in die Enge getrieben, reagieren mit Aggression. Frau Wagenknecht hat wohl den Punkt erreicht, an dem ihr der Spaß an der Arbeit für eine bessere Gesellschaft nicht mehr ausreichte das zu kompensieren was sie von anderen Parteimitgliedern erdulden musste – und was ihr so an die Gesundheit ging, das sie die Reißleine zog.

    Man sollte sie in guter Erinnerung behalten und ihr für das Engagement danken – und wie Sie hier im Artikel schreiben – nach der Alternative für die Öllampe suchen.

    Ich meine, für die Europawahl ist DiEM25 eine gute Wahl. Dann sehen wir mal wie die agieren und wenn es gut ist werden sie bei der nächsten Bundestagswahl wählbar sein.

    [PS: Ich habe kürzlich mit einem Bekannten einen heftigen Schlagabtausch darüber ausgefochten, ob man die Wahlen boykottieren sollte (Sie plädieren ja auch dafür). Das Ergebnis worauf wir uns einigen konnten war: Europawahl „teilnehmen“, Bundestagswahl „boykottieren“].

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    1. Ich kann den Punkt nachvollziehen, dass die heutigen Linken zum großen Teil nicht mehr die damaligen SED Funktionäre sind. Dann frage ich mich aber umso mehr, warum junge Linke den 70. Jahrestag der DDR Gründung feiern wollen oder innerhalb der Partei immer noch, 30 Jahre und viele geöffnete Stasi-Akten weiter, darum gestritten wird, ob die DDR ein Unrechtsstaat war.
      Sarah Wagenknecht halte ich auch für eine intelligente Frau, auch wenn ich nicht mit allem übereinstimme, was sie sagt. Sie war sicher zu unbequem für ihre Partei. Was wiederum meine These stützt, dass Parteien offenbar nicht ( mehr) die Lösung unserer Probleme sein werden.
      Danke auch für den Hinweis auf DIEM 25. Das schau ich mir mal an.

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