Männer in zerrissenen Hosen

Am Wochenende hatte ich die Gelegenheit, einen jungen Familienvater zu beobachten. Er war ca. 30 Jahre alt, trug über beiden Knien zerrissene Jeans und schneeweiße Schuhe, die Haare frisch gestylt verfrachtete er sein Baby auf dem Rücksitz eines BMW – Geländewagens .

Ich weiß, ich bin eine alte Tante und meine Gedanken von vorgestern. Mir ging also folgendes durchs Gemüt:

In den Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte haben alle Schichten der Gesellschaft, ganz gleich ob Männlein oder Weiblein immer Wert darauf gelegt, intakte Kleidung zu tragen. Die Armen wendeten und flickten, nähten um und  setzten etwas an, aber noch nie zuvor haben Menschen viel Geld für kaputte Kleidung ausgegeben. Selbst Handwerker, deren Klamotten stark strapaziert werden, achten darauf, dass der Blaumann wenigstens keine Löcher und Risse hat, wenn er beim Waschen schon nicht mehr ganz sauber wird. Wie dekadent muss eine Gesellschaft sein, die dies zur Mode erhebt?

Ebenso verdächtig sind mir weiße Schuhe. Als ich Kind war , trugen nur die halbseidenen Dandies weiße Schuhe, die im Travemünder Casino aus und ein gingen. Die schreckten auch nicht davor zurück, das Hemd bis zum Bauchnabel offen zu tragen, die behaarte Brust zierte ein Goldkettchen. Mit „anständiger“ Arbeit verdienten die ihr Geld jedenfalls nicht. Weiße Schuhe ( außer beim medizinischen Personal) waren und sind schon immer das Symbol dafür gewesen , dass sich hier jemand die Füße und Schuhe und schon gar nicht die Hände mit ehrlicher Arbeit schmutzig machen will.

Nun ist mir wohl bewusst, dass die Älteren die Jüngeren und ihr Erscheinungsbild schon immer mit Argwohn und Kopfschütteln beobachtet haben. Auch mein Vater fand die langhaarigen Bombenleger der 60-/70 er Jahre alles andere als seriös. Sie hatten allerdings auch keine Berührung. Die Protestler hielten sich fast alle an den Universitäten auf, später wurden sie Anwälte, Lehrer oder Politiker, die Haare wurden abgeschnitten und der selbstgestrickte Pullover durch Boss-Anzüge ersetzt.

Die heutigen 30-Jährigen ( sind das schon Männer ?)  auf weißen Puschen und mit viel zu teuren Autos sind allerdings schon im Geschäftsleben und wollen mir etwas verkaufen. Das wird mit mir nichts, denn ich nehme sie nicht ernst. Ein Vorurteil ? Mag sein. Aber wer soviel selbstdarstellerische Pose braucht, muss doppelt solange rudern, um seine Sachkenntnis zu beweisen.

Foto: cco Pexels

 

 

 

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