Lohnt sich eine private Pflegeversicherung ?

Ich habe das mal für mich durchgerechnet und will meine Überlegungen und Ergebnisse mit Euch teilen.

Die Versicherungsbranche macht im Moment mit Diddi Hallervorden, den ich als Schauspieler eigentlich mag, Werbung für die sogenannte „VolksPflegevorsorge“. Alleine der Begriff klingt nach Fürsorge , das Logo sieht dem der Bild-Zeitung sehr ähnlich und Diddi, der uns im Film „Honig im Kopf“ als dementer Opa zu Tränen rührte ,lächelt dazu gutmütig volkstümlich.

Angeboten werden drei unterschiedliche Pakete: Ich kann jeden Monat 67,68 Euro oder 88,42 Euro oder 109, 16 Euro zahlen. Ich nenne diese drei Varianten jetzt mal der Einfachheit halber S, M und L.

Empfohlen wird mir mit einem Tagespflegesatz von 40,00 Euro zu rechnen, dann bekäme ich 1200, 00 Euro pro Monat im Falle der Pflege ausgezahlt. Das klingt nicht schlecht. Bei näherem Hinsehen stimmt es aber nicht. Bei den Paketen S und M muss ich erstmal Pflegegrad 5 , also völlige Bettlägerigkeit , erreicht haben, um in den Genuss der vollen Leistung zu kommen. Nur beim Paket L zahlt die Versicherung tatsächlich den beworbenen Betrag. Wer schon einmal einen Pflegegrad für Mutter oder Vater beantragt hat, weiß ein Lied davon zu singen, wie schwer es ist, in eine angemessene Stufe eingruppiert zu werden. Die Versicherung maßt sich auch an, bei heimischer Pflege weniger auszuzahlen. Warum eigentlich ?

Ich wähle also das Model L. Und nun rechnen wir mal:

Würde ich den Vertrag heute abschließen und bis zur frühestmöglichen voraussichtlichen Pflegebedürftigkeit jeden Monat brav einzahlen, hätte ich dem Versicherungskonzern rund 26.000,00 Euro überwiesen , bis die Gegenleistung einsetzt. Den Beginn meiner Pflegebedürftigkeit habe ich  mal auf das 77. Lebensjahr geschätzt. Das hieße, ich müsste 100 werden, um einen Cent mehr als mein eingezahltes Geld von der Versicherung zu bekommen. Werde ich erst mit 85 pflegebedürftig und sterbe mit 95, sieht das Geschäft für mich noch wesentlich schlechter aus.

Während der 20 Jahre, die die Versicherung mit meinem eingezahlten Geld Gewinne erzielt, verliere ich zusätzlich jedes Jahr ca. 2 Prozent über die Inflation. Das wiederum bedeutet, die heutige Kaufkraft von 1200,00 Euro wird dann um ein Erhebliches verloren haben . Gleichzeitig werden die Preise für die Pflege unaufhörlich steigen.

2039 habe ich also schon wieder eine große Finanzierungslücke.

Ihr fragt Euch sicher, warum ich ausgerechnet meinen 77. Geburtstag als Leistungsdatum gewählt habe. Dazu kann diese Statistik des statistischen Bundesamtes Auskunft geben.

Im Alter von 80 – 84 Jahren sind immer noch 76 Prozent ! der Frauen nicht pflegebedürftig. Mein finanzieller Verlust wird also immens sein. Die Versicherungswirtschaft weiß das selbstverständlich auch. Ein sehr lukrativer Markt, der mit der Angst der Menschen angetrieben wird.

Mein Fazit: Sollte ich tatsächlich jeden Monat 109,00 Euro übrig haben, lege ich sie selbst gewinnbringend an. So stehen sie mir jederzeit und  im Pflegefall zur Verfügung. Mein Vorteil, wenn ich sterbe, bevor ich pflegebedürftig werde, bleibt das Geld meinen Erben erhalten. Übrigens, diese Rechnung geht von meinem Lebensalter aus. Für einen jungen Menschen wäre der Verlust noch weitaus höher. Die sollten ihr Erspartes in eine Top-Ausbildung stecken, sich in der Welt umsehen und vielleicht ein Häuschen kaufen.

Von einer privaten Pflegeversicherung profitiert nur einer, die Versicherung.

Wie sehr könnt ihr ermessen, wenn Ihr Euch die Paläste der Branche anschaut. Wer hat das bezahlt ? Genau, Ihr ! Oder vielleicht ja doch nicht.

Foto: cco pexels

 

 

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Ein Gedanke zu “Lohnt sich eine private Pflegeversicherung ?

  1. Wenn man es selbst durchrechnet – Danke dafür – wird schnell klar wieso die Versicherungswirtschaft einen so schlechten Ruf hat – es werden ganze Rechtsabteilungen nur dafür gehalten bei jedem *Versicherungsfall* nach neuen Hintertürchen zu suchen, die die Versicherung von der Zahlung befreit.

    So etwas gilt auch für Sterbeversicherungen, für Ausbildungsversicherungen, etc.

    Die einzige Versicherung die sinnvoll ist (aus meiner Sicht) ist eine Risiko-Lebensversicherung für ca. 15 Jahre für junge Familien ab Beginn einer regelmäßigen Arbeit, insbesondere wenn Kinder da sind. Hat man sich nach (ca.) 15 Jahren finanziell etabliert & stabilisiert kann man das Geld besser in einen weltweit investierenden Aktien-Fond stecken

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