Beginnt die Freiheit im Bauwagen ?

Vor ein paar Tagen habe ich einen Mann kennengelernt. Ich nenne ihn hier mal Thomas, was natürlich nicht sein richtiger Name ist. Er erzählte, er sei jetzt mit Ende fünfzig glücklicher, zufriedener und in sich ruhender als je zuvor. Gerade sei er im Begriff sein zweites Haus zu verkaufen, um auch diesen Ballast noch loszuwerden.

Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass er nun nicht etwa seine Zeit  auf Kreuzfahrtschiffen oder an Luxusstränden verbringt. Er lebt in einem Bauwagen auf einem gut ausgestatteten Campingplatz – ganzjährig.

Wieviel Quadratmeter hat so ein Wagen? ,hab ich mich gefragt. Da gibt es vermutlich unterschiedlich große Modelle. Vielleicht hat unser Thomas 12, vielleicht auch 20 Quadratmeter für all seinen Besitz und zu seiner Entfaltung, jedenfalls deutlich weniger als ich und vermutlich die meisten von uns. Er hätte heute gerade gründlich Hausputz gemacht und sich darüber gefreut, wie schnell er mit allem fertig war. Leben kann er von dem Erlös aus dem Verkauf seiner beiden Immobilien.

Was in seiner Erzählung auch deutlich wurde, war der Weg hin zu diesem ungewöhnlichen Lebensmodell: Trennung, Krise und ein Alkoholproblem. Alles das hatte nicht zu großen materiellen Verlusten geführt aber zu der Einsicht, dass er den Fokus seines Lebens verändern musste, um gesund und glücklich zu werden. Das ist er heute und strahlt es auch aus.

Auf meinem Schreibtisch steht seit Jahren eine Postkarte: Eins schwarz-weiß Fotografie, die einen jungen Mann zeigt der mitten in einem Stadtpark an einen Baum gelehnt sitzt und liest. Darunter der Satz :

“ Die Weisheit des Lebens besteht im Ausschalten

der unwesentlichen Dinge.“

Wenn wir an den unwesentlichen Dingen im Leben nicht mehr hängen, sie nicht mehr zu unserem Glück brauchen, dann beginnt die Freiheit.

Ich sage nicht, wir müssen jetzt alle in einen Bauwagen umziehen. Aber mir ist nach dieser Begegnung klar geworden, dass ich schon ein ganzes Stück befreiter bin, wenn ich ein Leben mit wesentlich weniger materiellem Wohlstand nicht mehr fürchte.Das Haus, das Auto, die Reisen usw. sind nicht die wesentlichen Bestandteile meines Lebens. Ginge das alles verloren, so wie es meinen Großeltern erging, die am Ende des 2. Weltkrieges aus Ostpreußen  hierher kamen, wäre das Wesentliche in meinem Leben nicht berührt. Diese Gewissheit kann uns  frei machen  gegenüber Arbeitgebern, dem Staat oder wem auch immer.

Mit dieser Gewissheit kann ich dem.folgen, was mich glücklich und gesund sein lässt und das ist ja häufig nicht dasselbe, was zu Ansehen und Wohlstand führt.

Foto: cco pexels

 

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4 Gedanken zu “Beginnt die Freiheit im Bauwagen ?

  1. Ein nachdenklich machender Beitrag. Vielen Dank dafür!
    Mich würde interessieren, was „Thomas“ nun mit dem vielen Geld aus den Immobilienverkäufen macht, das er trotz Wohnwagenkauf und den laufenden Kosten einer doch sehr bescheidenen Lebensführung ja immer noch besitzt? Geld allein macht nicht glücklich, aber es beruhigt doch ungemein.
    Ich denke im Übrigen, dass Menschen ohne Besitztümer es da wesentlich schwerer haben, sich eine solche Lebensphilosophie zu eigen zu machen und frei zu fühlen.

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  2. Hallöchen. Ich kann da auch ein bisschen aus eigener Erfahrung sprechen. Ich habe vor 4 Jahren alles ausgemistet und wohne seit eineinhalb Jahren in einem Bus und reise zusammen mit meinem Freund. Also ich muss sagen dass dieses Einfache Leben schon was hat. Den ganzen Ballast losgeworden zu sein hat mir ein riesen Stück Freiheit geschenkt. Wir werden nicht mehr ewig in dem Bus wohnen, aber das mit dem „wenig besitzen“ werde ich beiehalten. Aber zu einem guten Leben gehört für mich auch eine Aufgabe die mich erfüllt. Nur alles auszusortieren und loszureisen hat mich allein jetzt nicht glücklich gemacht. Aber ich finde die Einfachheit auch sehr erstrebenswert. Liebste Grüße Juli.

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