Der digitale Verdummungspakt

Gott  sei Dank ! Nun kommt der Großangriff auf die Kindergehirne ja doch (noch!) nicht. Ich bin aber überzeugt, dass die IT -Industrie und alle, die mit ihr das große Geld machen, das schon noch hinkriegen.

Kann mir mal einer verraten, warum viele Milliarden Euro in Laptops, Tablets und WLAN für Schüler gesteckt werden soll? Alle, selbst das in prekären Verhältnissen lebende Kind, hat ein Handy und einen Computer. Sie sind , anders als wir, damit aufgewachsen, finden sämtliche Funktionen im Schlaf.

Warum wundere nur ich mich, wenn ich mein neues iPhone auspacke und nach der Gebrauchsanleitung suche? Meine Kinder seufzen:“ Mutti, dazu brauchst Du keine Gebrauchsanleitung , das erklärt sich von selbst.“ So isses. Das habe selbst ich dann  schnell gemerkt, die noch mit Füllhalter und Schreibmaschine aufgewachsen ist.

Also, nochmal: Warum sollen die Kinder digitalisiert werden?

Erklärungsversuch Nr. 1: Der Unterricht wird besser.

Nein, das wird er nicht. Es ist (fast) wurscht, ob ich mit Bleistift, Füller, Kulli oder Kreide schreibe. Der Prozess gesprochene Sprache zu verschriftlichen muss mit allen Sinnen vom Kopf in die Hand und zurück in den Kopf. Über glatte Oberflächen wischen und tippen erzeugt nicht denselben Lerneffekt. Texte verstehen und schreiben, Rechenaufgaben lösen, physikalische Gesetzmäßigkeiten begreifen usw. , usw. , all das kann ich gänzlich ohne elektronische Medien, einfach mit einem guten Lehrer. Wie sonst wäre die Menschheit heute da, wo sie ist?

Erklärungsversuch Nr.2: Man muss die Kinder auf die digitalisierte Arbeitswelt vorbereiten.

Worauf man sie tatsächlich vorbereiten muss, ist eine Welt im rasend schnellen Wandel. Man muss sie darauf vorbereiten , dass sie als Erwachsene Antworten finden müssen, deren Fragestellung heute noch nicht einmal gedacht wird. Wir müssen sie darauf vorbereiten, dass der Finanzfaschismus jeden und alles unter das Diktat des Profits zwingen will. Sie sollten also in freiem Denken , Kreativität , Phantasie und Selbstermächtigung gefördert werden und in Mitgefühl und Verantwortung sich selbst und der Mitwelt gegenüber.

 

Lernt man das am Computer ? Prof. Manfred Spitzer beschreibt in seinem Bestseller „Digitale Demenz“ und in seinen engagierten Vorträge auf YouTube  sehr eindrucksvoll, was aus Kindergehirnen wird, wenn man sie der Stupidität von Bildschirmen aussetzt: Dumme, emphatielose und phantasielose Erwachsene.Er nennt es Körperverletzung, wenn man Grundschüler mit diesen Apparaten ausstattet.

Die Firmensofware ihres jeweiligen Arbeitgebers werden sie in wenigen Wochen erlernen können. Das konnte ich auch, obwohl ich erst mit über 30 Jahren vor meinem ersten Computer saß.

Warum fragt eigentlich niemand nach

dem WIRKLICHEN Sinn des Digitalpakts?

Die Ergebnisse von Prof. Spitzer und Kollegen sind gut belegt und dokumentiert. Warum werden sie von Politikern, Eltern und anderen Verantwortlichen seit Jahren ignoriert oder gar diffamiert? Cui bono?

Fünf Milliarden könnte man wunderbar für zusätzliche Lehrer, für kleine Klassen , für tolle Exkursionen , für echte Kreativwerkstätten ausgeben. Das wäre eine gute Investition in die Zukunft.

Foto: cco Pixabay

 

 

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Ein Gedanke zu “Der digitale Verdummungspakt

  1. Wenn das Geld in mehr Lehrer und damit in verbesserte Relation Lehrer : Schüler gesteckt wird kommt es keiner produzierenden bzw. Software-Industrie zugute. Politiker denken in der Kategorie „Investition : Arbeitsplätze/Profit“ – immer mit dem Ziel „Mehr Wähler für uns gewinnen“. Ob etwas von dem sie deswegen überzeugt sind auch tatsächlich nützlich ist stellt kein Kriterium von Bedeutung dar.

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