Warum ich für Zeitungen keinen Cent mehr zahle

Zeitungen und Zeitschriften liegen wie Blei in den Regalen. Haben die Deutschen 2006 noch 21 Millionen Zeitungen im Jahr gekauft, sind es 2017 nur noch gut 14 Millionen gewesen.

Ich gehöre auch zu denen, die keinen Cent mehr für eine Tages-oder Wochenzeitung ausgeben.

Nach meinem Studium und zum Beginn meines geordneten Erwachsenenlebens hatten wir die lokale Lübecker Nachrichten abonniert . Als die Artikel immer häufiger so bedeutungsschwangere Überschriften trugen wie : „Große Hilfsaktion für Schulzens Dackel “ oder „Neujahrsempfang der Stockelsdorfer Kaninchenzüchter“ mit halbseitigem Bild vom prämierten Rammler, bestellten wir sie ab. Nur wegen der Traueranzeigen war das Abo zu teuer. Und sollten wir denn doch mal einen der Verblichenen kennen, würde es sich bestimmt zu uns rumsprechen.

Die nächste Zeitungsphase war dann geprägt durch „Die Welt“ als Tageszeitung und „Die Zeit“ den und „Spiegel“. Damals glaubte ich noch, dass guter Journalismus einen Bericht von einem Kommentar unterscheiden kann und fühlte mich entsprechend informiert. Damals war es vielleicht auch noch so.

Im Zuge der Eurokrise passten dann die Berichte und Kommentare immer weniger zu meiner Wahrnehmung und meinen Gedanken, die ich ohne Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft studiert zu haben, einfach mit gesundem Menschenverstand und aufmerksamer Beobachtung machte. Es wurden von den Regierenden reihenweise Verträge gebrochen und das alles wurde mir in den genannten Zeitungen in verschwiemeltem Expertendeutsch als alternativloser Weg erklärt.

Das war der Anfang und ist nun zehn Jahre her. Ab dem Zeitpunkt, versuchte ich herauszufinden, wie die Dinge wirklich zusammenhängen. Ich stieß im Internet auf freie Portale, die nicht der Bertelsmann , Burda, Holzbrink oder Springer-Gruppe angehörten. Vieles, was ich da las, machte Sinn und passte mit meinen Alltagserfahrungen zusammen.

Heute lese ich online beides und kann nur immer wieder staunen. Während z.B. seit zehn Tagen in Frankreich eine Riesenprotestbewegung mit Millionen Gelbwesten in allen Teilen des Landes Macrons Macht infrage stellen ,am Samstag bürgerkriegsähnliche Zustände stundenlang auf YouTube zu verfolgen waren, so gut wie kein Wort davon und kein Bild in unserer Presse. Ich habe eben gerade extra noch einmal recherchiert:Nichts in „Der Welt“ ( vor zwei Tagen ein kleiner Artikel hinter einer Bezahlschranke), nichts in der FAZ , auch nichts in der TAZ oder im Spiegel. Topartikel widmen sich seit Wochen den drei Pappnasen von der CDU , Kramp-Karrenbauer, Merz und Spahn. WEN INTERESSIERT DAS KASPERLETHEATER ?

Natürlich auch wochenlang nichts über den Migrationspakt, nichts ! Als der Druck von den freien Medien dann zu groß wird, gibt es Meinung zu lesen, keine neutrale Berichterstattung. Den Originaltext ( 34 Seiten auf Deutsch) finde ich nur auf freien Plattformen. Ich darf selber denken und mir ein Urteil bilden. In den betreuten Medien, wozu auch ARD, ZDF und Deutschlandfunk gehören, wird mir ohne Originaltext gesagt, wie ich das Abkommen zu bewerten habe, nämlich gut.

Und dann sind neben allem Weggelassenen und allen unerwünschten Bewertungen noch die Falschmeldungen. Nachdem selbst die Bundesregierung spät, sehr spät offiziell einräumen musste, dass es in Chemnitz keine Hetzjagden gegeben hat ( nachdem die Staatsanwaltschaft, der Ministerpräsident, die lokalen Zeitungen und die Produzenten des „Hase, Du bleibst hier-Videos“ das schon vielfach bestätigt hatten), lese und höre (DLF) ich jeden Tag von den „Vorkommnissen“ in Chemnitz, weswegen nun alle wieder wachsam sein müssten…( der Mord ist nicht gemeint, von dem ist nicht mehr die Rede).

Es war Hanns Joachim Friedrichs, der sagte , ein guter Journalist solle sich mit keiner Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten. Als junge Frau habe ich das nicht verstanden. Heute ist mir die Bedeutung klarer denn je.

Übrigens, hier zwei Empfehlungen: Ken FM und Nachdenkseiten. Das sind zwei freie Medien, die die Dinge von sehr unterschiedlichen Seiten beleuchten. Das ist guter Journalismus, dafür zahle ich. Gerne !

Foto: cco pixabay

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