Die Würde des Menschen gilt über den Tod hinaus

Habt Ihr einen Organspender -Ausweis? Nein ? Noch nicht?

Bis jetzt hat das für Euch keine Konsequenzen : Im Falle Eures Todes fragt man Eure Angehörigen und die wissen hoffentlich , wie Ihr zur Organspende steht. Wenn nicht, oder wenn es keine zu befragenden Angehörigen gibt, gilt der Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten/Todgeweihten. ( Jedenfalls solange Ihr in Deutschland seid. Im Ausland gilt das Recht vor Ort. )

Das soll sich nach dem Willen unseres Gesundheitsministers ( gelernter Bankkaufmann mit einem Jahr Berufserfahrung) Jens Spahn (CDU) nun ändern.

Sein Vorschlag: Liegt keine ausdrückliche Ablehnung vor, gilt das als Zustimmung. Die Transplantationszahlen sollen auf Teufel komm raus erhöht werden.Deshalb gehört zu seinem Gesetzentwurf gleich noch eine bessere Entlohnung für Transplantationen und eine ärztliche Kraft soll im Krankenhaus ganz und gar dafür freigestellt werden, nach möglichen Spendern zu fahnden. Dafür darf sie dann auch schon vor Eurem endgültigen Dahinscheiden Eure Krankenakte auf mögliche verwertbare Ersatzteile durchstöbern .

Wem nützt das ?

Diese Frage muss bei allen politischen Entscheidungen immer als erste gestellt werden. Nun gut, den Kranken, die dringend auf ein Organ warten. Und wem noch ?Privatisierten Krankenhäusern, der Pharmaindustrie, der Maschinenmedizin, …

Ich habe schon seit 40 Jahren einen Organspende – Ausweis. In den ersten Jahren war dort meine Bereitschaft zur Spende angekreuzt. Als ich dann älter wurde und mehr über das Thema gelesen hatte und einige Menschen beim Sterben begleitet hatte, habe ich mich dagegen entschieden.

Der sogenannten „Hirntod“ ist eine theoretische Konstruktion. Aber was wissen wir wirklich über den Tod? Was können wir überhaupt wissen? Geht das nicht über unsere menschliche Vernunft hinaus? Und ist es nicht anmaßend einen Zeitpunkt festzusetzen, da der Körper noch warm und Bewegungen des Sterbenden noch sichtbar sind?

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, heißt es im Artikel 1 , Grundgesetz. Da steht nicht „Die Würde des lebenden Menschen ist unantastbar“. Diese gemeinte Würde fängt für mich vor der Geburt an und geht über meinen Tod hinaus.Das schließt für mich ein, dass auch mein toter Leib respektvoll behandelt wird.

Wer hat das Recht, darüber zu entscheiden, was mit meiner sterblichen Hülle passiert? ICH und PUNKT. Selbst in bester Absicht und um anderen zu helfen, darf niemand in diese Freiheit und dieses Recht eingreifen. Vielleicht ist der Vergleich etwas schräg, aber sonst müsste man Männern mit einem dringenden Bedürfnis nach Sexualität auch zugestehen, mit einer Frau zu schlafen, solange sie nicht ausdrücklich nein gesagt hat.Auch dieser Mann leidet, oder ?

Es ist das Wesen der Würde, dass sie jedem Menschen innewohnt, ganz gleich , ob er sich dessen bewusst ist oder nicht . Er darf sie nicht verteidigen müssen, zumal der zu Tode Erkrankte das auch nur noch selten kann.

Und es gehört auch zu meiner Freiheit , nicht über meinen Tod nachdenken zu wollen.

Deshalb hoffe ich sehr, dass es bei der „Einwilligungslösung“ bleibt.

Foto: cco pixabay

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3 Gedanken zu “Die Würde des Menschen gilt über den Tod hinaus

  1. Interessant, dass ich hier zufällig auf deinen Text stoße. Ich trage das Thema schon eine ganze Weile mit mir herum und habe mich trotz längerem Nachdenkens und Abwägens noch nicht für oder gegen eine Organspende entscheiden können. Für mich ist allerdings klar, dass mich Jens Spahns Vorschlag aus zwei Gründen ärgert: 1. Wenn mich jemand aus medizinischen Gründen verletzen will, muss ich einwilligen, weil anderenfalls eine Körperverletzung vorliegen könnte, die den Chirurgen vor Gericht bringt. Der Mensch, der da hirntot im Krankenhaus liegt, ist noch am leben; das gilt natürlich auch dann, wenn das nur noch mittels Intensivmedizin passiert. Aber dann ist es okay, weil er ja nicht vorab widersprochen hat. Nein, der Zweck heiligt nicht immer die Mittel! 2. Mit der Widerspruchslösung wird ein moralisches Gebilde aufgebaut: Den Menschen wird gesagt, dass sie mit einem „Nein“ verhindern, dass im Falle eines Falles ein anderer Mensch weiterleben kann. Diese moralische Keule empfinde ich als eine Zumutung, bei allem Verständnis für die Patienten, die auf eine Organspende angewiesen sind.
    Viele Grüße
    Ina

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