Warum es gut ist, Tagebuch zu schreiben

Als junges Mädchen habe ich mein erstes Tagebuch geschrieben, das mir dann wenige Jahre später so peinlich war, dass ich es vernichtet habe.Kennt Ihr das auch?

Aus der Sicht von heute schämen wir uns für unreife oder kindische Gedanken und möchten lieber  nicht mit unserem alten Ich konfrontiert werden. Doch genau das ist auch die Chance des Tagebuchs. Es zeigt uns , wer wir waren. Es zeigt uns , welche Wege wir gehen mussten, um das zu werden, was wir heute sind.

Nun schreibe ich seit einiger Zeit wieder regelmäßig in ein Buch. Ich klebe Fotos ein, führe Listen ( z.B. von gelesenen Büchern) , schreibe meine Ängste und Zweifel nieder und meine Freude und Dankbarkeit.

Der Auslöser war ein schön gestaltetes Buch zum Thema „Bullet Journal“ . Das ist eigentlich vor allem ein Organisationsinstrument, um die Wochen und Monate übersichtlich zu strukturieren. Dekorations-und Gestaltungmomente spielen eine Rolle und Listen zur Selbst Beobachtung ( zum Thema Stimmung des Tages usw.)

Diese Bullet-Journal Idee habe ich nur als Anregung genommen, um dann ganz frei das für mich Passende zu kreieren. Das Dekorieren macht einfach Spaß, ein kleiner künstlerischer Prozess, manchmal mit Pinsel und Farbe, manchmal mit eigenen Fotos oder mit andern Elementen wie Eintrittskarten oder Ausschnitten aus alten Büchern.

Viel wichtiger ist aber das Nieder-Schreiben der Gedanken. Trauma Therapeuten haben gute Erfahrungen damit gemacht, wenn der Traumatisierte sein Erlebnis immer wieder aufschreibt und so ein Stück von sich fernhält, sich schreibend entlastet.

Für uns anderen ist es schon sehr wertvoll, beim Zurückblättern zu sehen, welche Sorgen und Ängste oder welche Ärgernisse noch vor wenigen Wochen unsere Gedanken beherrscht haben und sich zumeist einfach gelöst haben. Und beim Lesen der schönen Erlebnisse und Begegnungen freue ich mich gleich noch einmal.

Das Tagebuch ist für mich ein gutes Instrument, um bewusster zu leben.

Foto: cco pixabay

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2 Gedanken zu “Warum es gut ist, Tagebuch zu schreiben

  1. Ich habe schon häufiger darüber nachgedacht so ein Tagebuch anzulegen, weil elektronische Aufzeichnungen nicht für die Ewigkeit sind. Wenn man sieht, was uns aus der Zeit vor 3.000 und mehr Jahren überliefert ist, kann man sich vorstellen wie wenig aus unserer Zeit in ein paar tausend Jahren noch da sein wird.

    Woran es letztlich scheitert – bei mir, wohlgemerkt, das ist bei jedem Menschen anders – ist die Frage:
    Wen wird es interessieren wenn ich einmal nicht mehr bin?

    Ich habe einen jüngeren Bekannten der meine elektronische Sammlung von Daten pflegen wird, das war schon schwer genug da jemanden zu interessieren (und jemanden zu finden, dem ich eine Kontinuität des Handelns zutraue!).

    Nur an der physischen Herausgabe meiner Gedichte arbeite ich noch – sie werden zu meinem 75. Geburtstag in zwei Jahren fertig zur Verteilung sein.

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