Ich bin meine eigene Denkfabrik

Heute wurde in den Nachrichten gemeldet, dass die Bundesregierung eine „Denkfabrik für Digitalisierung“ eingesetzt hat.“ Denken“ und „Fabrik“, wie geht das zusammen?

Denken ist ein komplexer Prozess: Er braucht viel Zeit, jedenfalls, wenn man gründlich denken will und etwas Vernünftiges dabei heraus kommen soll. Denken ist ein komplizierter Prozess. Wo fange ich an? Welchen Pfaden will ich folgen, welche vernachlässigen, welche ganz außer Acht lassen? Wie kann ich überprüfen, ob das stimmt, was ich denke? Was muss ich verwerfen, weil es theoretisch wunderbar ist aber in der Praxis nichts taugt? Das alles und noch viel mehr soll nun fabrikmäßig geschehen.

Rauchende Köpfe, statt rauchender Schornsteine ?

Eine Fabrik ist aber durch sehr entgegengesetzte Vorgänge geprägt:

Ein Prototyp, der massentauglich ist, wird entworfen. Dann werden die Maschinen bereit gestellt, die den in großer Zahl produzieren können. Das soll dann mit einem minimalen Aufwand an Zeit und Geld und menschlichen Ressourcen geschehen. Die Fließbänder werden nicht alle paar Tage gestoppt und umgebaut, weil man zu besseren Erkenntnissen gelangt ist. Mal ganz abgesehen davon, dass individuelle Wünsche nur sehr begrenzt zu ermöglichen sind.

Das fatale und irreführende an solchen Begriffen ist, dass wir glauben sollen, die Ergebnisse seien dann richtungsweisend für uns.

Es mag sein, dass hier sogenannte Experten zusammen kommen, die über die Verwirklichung und die Auswirkungen der Digitalisierung ( oder was auch immer ) nachdenken und Pläne machen. Am Ende dieses „Fabrik-Produktionsprozesses“ stehen dann Ergebnisse/ Empfehlungen. Die Auswahl der Fachleute ist natürlich interessengelenkt. In diesem Fall von der derzeitigen Bundesregierung. Sind das auch meine Interessen ?

Also, da gibt es jetzt eine Denk-Fabrik. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse und in der Zwischenzeit und überhaupt immer halte ich es mit Immanuel Kant, der sagte:

“ Habe den Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen.“

Ich möchte das Denken lieber nicht „outsoucen“.

Foto: cco pixabay

 

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3 Gedanken zu “Ich bin meine eigene Denkfabrik

  1. Der „output“ einer solchen Denkfabrik kann nie die beste Lösung sein, denn er ist ein Kompromiß aus den Einzelbeiträgen der Beteiligten. Das Wesen eines Kompromisses ist die Erarbeitung eines Ergebnissesm, mit dem Alle zufrieden sind.
    Innovation und Fortschritt werden aber nicht durch den „kleinsten gemeinsamen Nenner“ erreicht, dazu brucht man Individualisten die kreativ sind und außerhalb der gängigen Konventionen eines Fachgebietes arbeiten bzw. denken können.
    Die wird man allerdings in einer solchen Denkfabrik kaum finden, weil solche Persönlichkeiten nicht ‚gruppenverträglich‘ sind – sonst wären sie ja ‚mainstream‘ statt ‚Einzelkämpfer‘.

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